Am Abend mussten wir unseren Mietwagen am Flughafen London-Stansted abgeben,
um nach Hannover zu fliegen. Wir hatten noch genügend Zeit und wollten nicht zu
früh dort ankommen. Also suchten wir noch White Horse auf. Dieses Pferd ist eine
über 100 Meter lange "Zeichnung" auf dem Kreidefelsen aus dem 5. oder 9.
Jahrhundert. Es soll ein weiteres Wunder Englands sein. Was wir zu dem Zeitpunkt
nicht wussten: das Pferd ist nur aus der Luft zu erkennen. Wir suchten also
vergeblich auf dem Hügel.
Dadurch verloren wir aber Zeit. Kein Problem,
wenn wir nach Stansted gut durchgekommen wären. Aber kurze Zeit später kamen wir
in einen Megastau. Die Minuten flossen nur so dahin. So konnten wir den Abflug
kaum noch erwischen, zumal wir noch den Wagen abgeben
mussten.
Panik kam auf. Einen Tag später fliegen wäre wegen einer
Hochzeitsfeier kaum möglich gewesen. Plötzlich löste sich der Stau auf. Alle
Geschwindigkeitsbegrenzungen wurden ignoriert. Mit 200 Sachen raste ich dem
Flughafen entgegen. 35 Minuten vor Abflug kamen wir an. 5 Minuten noch, bis der
Check-In-Schalter schloß. Ich fragte den Autovermieter vorher noch, ob die
Rückgabestelle direkt am Flughafen liegt. Er sagte ja. Wir mussten feststellen,
dass das für alle Autovermieter galt, jedoch nicht für unsere. Man sagte
uns, dass sie in der Stadt liegt - rund 10 Minuten entfernt.
Also brachte
ich meine Damen erstmal zum Schalter. Zum Glück standen dort noch einige an der
Schlange. Noch 25 Minuten bis zum Abflug. Was nun tun? In die Stadt rein und
mich zurückbringen lassen hätte nicht mehr geklappt. Ich suchte ein Telefon, um
dort anzurufen. Doch es war kein öffentliches Telefon zu finden. Völlig konfus
rannte ich durch die Gegend und fragte jeden, der irgendwie offiziell aussah, ob
er eine Idee hätte.
Aber nichts, kein Telefon und die Zeit verging. Noch
20 Minuten... Ich war verzweifelt und sah unseren Flieger schon ohne uns
abheben. Nun tat ich folgendes: ich blieb an einer Bushaltestelle stehen,
schloß kurz die Augen und wünschte mir, dass irgendein Wunder
geschieht.
Ich öffnete die Augen, drehte mich kurz zur Seite und glaubte
meinen Augen nicht. Ich stand vor einem Warteraum. Dort drin sah ich ein
öffentliches Telefon. Das war schon mal toll. Aber es wurde
noch unglaublicher: direkt daneben befand sich ein Briefkasten mit der
Aufschrift meines Autovermieters und die Telefonnummer. Ich war völlig
fassungslos, aber überglücklich. Schnell rief ich dort an und die sagten mir,
dass ich den Wagen an einem bestimmten Platz abstellen und den Schlüssel dann in
den Briefkasten werfen sollte. Zum Auftanken blieb natürlich keine Zeit mehr.
Ich musste das später nachzahlen.
Leider war das Drama damit noch nicht
beendet. Denn jetzt stellte sich die Frage: wo hatte ich den Wagen eigentlich
abgestellt? Ich hatte mich total verirrt. Aber noch blieben 15 Minuten Zeit.
Nach 3 Minuten fand ich den Wagen, aber nicht den vorgeschlagenen Platz des
Autovermieters. Also stellte ich den Wagen woanders ab, schrieb den Ort auf
einen Zettel, lief zurück und warf alles in den Briefkasten.
5 Minuten
vor Abflug kam ich beim Check-In-Schalter an. Leider akzeptierten die meinen
vorher abgegebenen Reisepaß nicht, da ich nicht persönlich anwesend war. Aber
nun war alles in Ordnung. Beim Run zum Gateway kaufte ich mir noch einen Snack,
da wir beim ganzen Trouble ja auch nicht zum Essen kamen und ich nicht dachte,
dass es bei Billigfliegern etwas gibt (war aber dann doch so). Eine Minute
vor Abflug kamen wir gerade noch rechtzeitig an. Was für ein Timing
und was für ein Abenteuer zum Abschluss dieser wunderbaren drei
Tage.