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Rundreisen in Japan

Tokyo

Tokyo

Auf dieser Seite beschreibe ich meine spezielle Reise nach Japan zur Fußball-WM.
Eine spätere klassische touristische Rundreise ist auf einer anderen Webseite veröffentlicht. Dort sind auch Rundreisen aufgeführt, die Sie selber buchen können (siehe weiterführende Links).

Japan Teil 1: Sapporo und Tokio

Bericht von einer dreiwöchigen Reise zur Fußball-WM im Mai/Juni 2002

10 Tage in Japan

Sapporo

Sapporo

Im Flugzeug erhielt ich schon einmal einen Vorgeschmack auf die japanische Küche. Fischig halt, aber durchaus bekömmlich. Die Kontrollen auf den Flughäfen waren zumeist sehr extrem. Schuhe mussten ausgezogen werden und das Gepäck wurde teilweise per Hand durchwühlt. Auch die Passkontrolle zog sich teilweise endlos hin. Aber alles lief immer sehr freundlich ab.
Am Nachmittag kam ich dann endlich in Sapporo, im hohen Norden Japans an. Ich suchte zunächst die Ausgabestelle für den Japan Rail Pass, den ich vorher in Deutschland beantragt hatte, auf. Mit diesem Pass für rund 400 Euro konnte ich fast alle Züge und mehrere Busse benutzen. Das zahlte sich im Laufe der Zeit auch voll aus. Ich brauchte ihn an speziellen Eingängen immer nur kurz vorzuzeigen.

8:0-Kantersieg in Sapporo

Skyline

Skyline

Beim Ausstellen des Passes zeigte sich schon die Schnelligkeit der Japaner. Es ist das absolute Gegenteil von deutschen Amtsstuben. Auch ansonsten konnte ich kaum so schnell gucken wie Japaner handeln. Eh ich auf dem Bahnhof nur den Blick auf einen Fahrplan werfen konnte, war schon ein japanischer Beamter da, der mir den Weg wies.
Die sprachen zwar alle nur japanisch, aber zeigten immer dorthin, wohin ich musste. Was ich überhaupt wollte, lasen sie wohl von meinem Gesicht ab. So ging alles sehr schnell und schon saß ich im Zug in das Zentrum.
Am Hauptbahnhof sprach mich dann auch gleich ein Japaner an, der glücklich war, seine Englischkenntnisse endlich mal anwenden konnte. Er begleitete mich zu meinem Hotel und übergab mir eine Liste mit den TV-Sendern, die die WM-Spiele übertrugen, nachdem ich danach gefragt hatte. Die sollte sich später noch als sehr wichtig herausstellen, denn wie in Deutschland wurden viele Spiele nur auf Pay TV - Kanälen übertragen.

Während des 20minütigen Spaziergangs bestaunte ich die Stadt, die rechtwinklig geschnitten ist und fast nur aus Hochhäusern besteht. Es sah alles sehr modern aus und etwa so, wie ich mir Japan vorstellte.
Im Hotel konnte ich die zweite Hälfte des Spiels Irland gegen Kamerun verfolgen. Die Dänen spielten anschließend gegen Uruguay. Pay TV hatte das Hotel aber leider nicht anzubieten.
Aber ich hoffte darauf, dass man es - wie in Seoul - vor dem Stadion sehen kann.
Doch es kam alles anderes als geplant. Nach 15 Minuten U-Bahnfahrt wurden die Zuschauer durch unterschiedliche Ausgänge geschleust, je nach Sitzplatz im Nord- oder Südbereich. Bis zum Stadion war es dann noch mal etwa einen Kilometer Fußmarsch. Ich war entsetzt, dass die Leute auf der anderen Straßenseite bis zur U-Bahnstation in der Schlange standen. Das freute mich innerlich ein wenig, denn auf 'unserer' Straßenseite ging es recht zügig voran. Das kam mir etwas spanisch vor und am Stadion wusste ich auch, wo der Haken war: unsere Schlange fing dort erst an und sie ging in 10 Schlangenlinien hin und her, so dass sie im Prinzip genauso lang war. Dementsprechend dauerte es auch geschlagene zwei Stunden, bevor man an die Einlasskontrollen kam. Die hatten in Sapporo nämlich nur 3 statt 30 Eingänge. Dafür war die Zahl der Polizisten identisch, die uns immer wieder in freundlichem japanisch sicherlich ebenso freundliche Anweisungen gaben. Es wäre zu schön gewesen, wenn man an dieser Stelle eine Großbildleinwand aufgestellt hätte, um das laufende WM-Spiel zu verfolgen.
Aber stattdessen musste man eher Angst haben, überhaupt pünktlich zum Anpfiff drin zu sein. Das war einer der wenigen Orte, wo die Koordination eher daneben ging oder sagen wir eher: zuschauerunfreundlich.
Dafür entschädigte der Sapporo Dome von innen umso mehr. Es war eine geschlossenen Halle im ovalen Schnitt. Ich war total begeistert. Solch ein Stadion habe ich noch nie erlebt: grandios und erneut eine Supersicht von meinem Sitzplatz aus.

Ich befand mich mitten im deutschen Fanblock, der vielleicht aus 500 Leuten bestand. Das war immerhin mehr als die Saudis aufbieten konnten, von denen ich gerade mal eine Person gesehen habe. Die Stimmung war etwas gedämpft. In der Warteschlange gab es zwar schon einige Fangesänge, die sich aber eher auf nationale Vereine wie Schalke bezogen. Ansonsten war gleich zu spüren, dass es nicht gerade die typische deutsche Fankultur war, die hier auflief. Und das war ja auch ganz angenehm.
Neben mir saß ein deutscher Mainz 05-Fan, der aber schon lange in Japan wohnt. Er erzählte mir, dass er zum vermeintlichen Aufstiegsspiel von Mainz extra nach Berlin flog, wo ihnen Union doch noch alles verdarb.
Es gab etliche putzige Verkleidungen, wie den König Fußball. Und auch viele Japaner outeten sich als Deutschland-Fan. Mut hatte der Fan, der mit einem Holland-Trikot anreiste. Das Spiel entwickelte sich zu einem Debakel für Saudi-Arabien.

Doppelbrücke

Doppelbrücke

8:0 ging es aus und Klose wurde zum frühzeitigen Torschützenkönig. Es war ein schöner Abend. Kultig wurde der Rückweg, weil die Polizisten eine Leine spannten, bis zu der man gruppenweise weitergehen durfte.
Nach einer Weile rannten sie dann mit der Leine ein paar Meter weiter und stoppten abrupt. Das hatte einen gewissen Witz. Man nennt das wohl auch 'geordneter Rückzug'. Zurück im Hotel konnte ich dann endlich den Dänemark-Sieg im TV verfolgen.
Am späten Abend übertrugen gleich mehrere Sender über die Spiele. Überall saßen 4 bis 5 Moderatoren und Experten im Halbkreis und debattierten über einzelne Szenen. Auch das war für einen Westler wie mich kaum an Humor zu überbieten.
Kaum sagte jemand etwas, wurde es auch von allen mit einem 'Hei' (was so viel heißt wie 'ja') bestätigt. Als nächstes folgte dann aber meistens ein leichtes skeptisches Brummeln, das man gar nicht in Worte fassen kann.

Auch wenn man kein japanisch konnte, hat man verstanden, das es wie in Deutschland um Standardsätze wie 'gegen den nächsten Gegner wird es sicherlich schwieriger', 'der Trainer hat die richtigen Spieler aufgestellt' usw. ging. Ferner gab es eigentlich immer nur Bewunderung über alle Spieler und anscheinend keine negative Kritik. Diese Zusammenfassungen gingen dann auch immer über Stunden oder die ganze Nacht durch, wenn mal wieder Japan oder Korea gewonnen hat. Andere Nachrichten waren praktisch tabu.
Am nächsten Morgen wollte ich mir eigentlich die Stadt etwas genauer ansehen, aber es regnete recht stark. Es war ja eigentlich auch Regenzeit. Nach den ersten schönen Tagen in Korea wollte ich es dennoch nicht wahrhaben: sollte das der Anfang von zwei verregneten Japanwochen sein? Zum Glück blieb es aber fast dabei.
Später regnete es nur noch an zwei Tagen für kurze Zeit. Die Japaner scheinen noch wasserscheuer zu sein als die Deutschen. Jeder Einheimische hatte einen Regenschirm dabei. Ich hatte zwar vorsichtshalber auch einen im Rucksack mitgenommen, sah es aber irgendwie nicht ein, mich vom Wetter so beeinflussen zu lassen. Mein Deutschland-Cappy tat es auch. Ich wanderte zum Bahnhof zurück und sah daher nicht viel mehr als das Zentrum Sapporos.
Der nächste Flug stand bereits an. Das lag daran, dass ich Tickets für das Spiel Schweden - England bestellt hatte. Die Hotels und Flüge musste ich größtenteils bereits auf Verdacht buchen, damit ich überhaupt noch etwas bekam. Bei der Verlosung hatte ich aber Pech, da einfach zu viele Fans aus England und Schweden anreisten. Ich wäre ansonsten noch in Sapporo geblieben, um mir am nächsten Tag Italien - Ecuador und die Umgebung anzusehen. Aber so ging es nach Tokyo. Vom Flughafen Haneda fuhr die einzige Bahn, in der ich meinen Railpass nicht verwenden durfte. Bei der Abfahrt begann bereits das Spiel Argentinien - Nigeria.

Großstadt-Impressionen

Parkanlage in Tokyo

Parkanlage in Tokyo

Ich hoffte, Bilder in meinem mitgebrachten Mini-TV zu empfangen, doch man sah nichts außer Schnee. In einer knappen Stunde ging es dann nach Omiya in Saitama, einem nördlichen Vorort von Tokyo. Vor dem Bahnhof war ein Sportgeschäft, in dessen Schaufenster das Spiel gezeigt wurde.
Mit einigen Japanern stellte ich mich davor und konnte noch einen Großteil sehen. Ich konnte ja nicht ahnen, dass sich mein Hotel nur ein paar Meter weiter befand. Meine Stadtpläne waren derart unterschiedlich aufgebaut, so dass ich mich öfters mal verschätzte.
Mein Hotel war wie fast immer recht gut. Aber ich nutzte es kaum aus, denn mich zog es gleich zurück zum Bahnhof, vor dem einige Flächen zum Entspannen einluden. Hier machten Menschen Musik und informierten Fans aus aller Welt über Sehenswürdigkeiten der Stadt, Wege zum Stadion oder wo man gut essen kann.

Zunächst interessierte mich aber, wo ich das nächste (Pay TV) Spiel Paraguay gegen Südafrika sehen kann. Man gab mir die Antwort, dass man das in einem Nachbarort tun könne. Schnell fuhr ich mit der nächsten Bahn dorthin. Und da stand tatsächlich eine große Halle, in der sich um die 8000 Menschen aufhielten.
Aber vom Südafrika-Spiel war nichts zu sehen. Man sagte mir, dass man hier nur die Spiele von Japan und aus dem heimischen Stadion in Saitama auf der Großbildleinwand zeigen würde. Na ja, somit war wenigstens England - Schweden gerettet. Und es machte auch viel Spaß. Die Zuschauer waren recht gespalten. Es gab scheinbar auch echte Einheimische aus diesen Ländern, die keine Karten mehr bekommen haben. Dabei hatte die FIFA noch Mist gebaut, denn in den ersten Spielen blieben etliche Blöcke leer. Keiner wusste, wo die Tickets verschollen sind.

Das letzte Spiel des Abends zwischen Spanien und Slowenien konnte ich dann noch im Hotel schauen, da es weit und breit keine Bar mit einem Fernseher gab. Vorher sah ich mir noch ein wenig den eher berüchtigten Teil des Ortes an. Keine Ahnung, was es dort für Läden gibt, denn es war alles nur in japanisch ausgeschildert.
Irgendwelche Frauen sprachen mich an. Wie immer antwortete ich auf irgendwelche japanische Fragen 'Hei', was sie in diesem Fall aber wohl falsch deuteten. Keine Ahnung, was sie mir anschließend sagen wollten.
Aber ich wollte ohnehin Fußball gucken. Slowenien vergeigte dabei deutlich gegen Spanien.
Gut, das Abendprogramm hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt: in Bars mit anderen Fans und Einheimischen Spiele schauen und Kontakt knüpfen. Aber das war nur an den wenigsten Orten möglich. Die Hoffnung lag auf Tokyo, wo ich am nächsten Tag hingefahren bin. Am Vormittag war erst mal wieder Sightseeing-Tour angesagt.
In der Nähe des Hauptbahnhofs befinden sich der Königspalast und Gemäuer mit Parks und hübschen Anlagen. Ich schlenderte ein wenig durch die Gegend. Dabei merkte ich, wie sportlich die Japaner sind. Zahlreiche Jogger und vorwiegend Leute im mittleren Alter, die an aufgestellten Geräten Muskeltraining machten, kreuzten meinen Weg. Es wimmelte im Hintergrund gar nicht so von Hochhäusern, wie ich es erwartet hatte. Tokyo erschien mir irgendwie untypisch, aber nicht unsympathisch. Und für eine Großstadt fühlt man sich hier total sicher (wie überhaupt überall in den beiden Ländern).

In einem Restaurant

In einem Restaurant

Am Nachmittag waren wieder drei Spiele angesagt.
Und wieder stellte sich die Frage: wo gucken? Am Bahnhof, dessen Ausmaße recht gigantisch und dementsprechend unübersichtlich waren, gab es wieder einen Servicepunkt für Fans. Dort war eine Japanerin zunächst verwundert über meine Frage, malte mir dann aber auf einen Zettel den Ort einer Sports Bar im Vergnügungsstadtteil Shinjuku auf.
Gut, dass ich gleich losfuhr, denn ich brauchte eine Stunde, bevor ich den Ort fand.
Die gute Dame vergaß nämlich, die Himmelsrichtungen aufzuschreiben und 'natürlich' war oben nicht Norden. Glücklich machte mich das aber auch nicht, denn in dieser Bar wurden nur die Spiele des Free TV gezeigt. Kann es sein, dass es in ganz Tokyo keine Bar, Restaurant oder sonst etwas gibt, in der die Spiele gezeigt werden? Daran merkte man, dass sich die Japaner doch nur oberflächlich mit dieser Sportart beschäftigen.

Als ich die Hoffnung schon aufgegeben hatte, kam ich dann durch Zufall doch noch an einem kleinen Restaurant vorbei, das draußen auf einem (englischsprachigem!) Schild mit Live-Übertragungen warb.
Frohlockend schritt ich rein, als mich der Besitzer aufforderte, doch die 2000 Yen (rund 20 Euro) für das erste Spiel Kroatien gegen Mexiko zu zahlen. Ich wollte aber auch noch Brasilien gegen Türkei sehen. Aber dafür musste ich glatt 40 Euro hinblättern. Dafür waren aber jeweils ein Essen und ein Getränk mit enthalten. Zwei Speisen, nachdem ich gerade erst kurz vorher gegessen habe... Na prima. Ich tauschte ein Essen gegen ein Getränk um. Dennoch: Kroatien gegen Mexiko im TV für 20 Euro. Manche Leute werden mich für verrückt erklären. Aber es lohnte sich. Mexiko gewann und ich lernte jede Menge Leute dort kennen. Neben dem kultigen Besitzer, der auch das Essen servierte, waren viele Schweden, Engländer, Japaner und Türken anwesend. Beim zweiten Spiel krachte der Laden förmlich aus allen Nähten.

Es war wirklich putzig, wie der Besitzer jedem neuen Gast einen Stuhl anbot, obwohl gar kein Platz mehr war, wo er ihn hinstellen konnte. So gab es am Ende nur noch Stehplätze. Schließlich kam auch noch ein Fernsehteam rein und filmte unsere Jubelausbrüche.
Ich war etwas gespalten, da ich für die Türkei war, aber neben mir eine nette Chinesin saß, die für Brasilien hielt. Sie war aber etwas einsam, denn gegenüber saß ein kultiger Türke. Er gab jedem ein Getränk aus, wenn er mitbekam, dass man für die Türkei schrie. Bei den japanischen Preisen muss er einige Tausender an dem Abend verloren haben. Das haben dann ja auch die Türken.
Vorher gab es Bratnudeln zu essen. Erstmals durfte ich mit Stäbchen essen, was leichter ging als ich dachte. Meinem schwedischen Nachbarn wurden irgendwann Gabeln angeboten, nachdem der Besitzer es wohl nicht mehr mit ansehen konnte, wie er sich plagte. Die Gespräche mit den anderen Fans verliefen immer ähnlich 'Where do you come from?' Dann ein 'Oh' - ein Kompliment für das fremde Team, das im letzten Spiel ja begeistert gespielt hatte. Dann macht man dem anderen Mut, Weltmeister werden zu können usw. Dabei spielt auch eine gewisse Zurückhaltung beim eigenen Team eine Rolle: also wirklich immer nett und Fair Play.
Zum Abschluss wünscht man dem anderen 'Good Luck'. Die interessanten Details befinden sich dann in der Mitte des Gesprächs. Insgesamt war dieser Nachmittag fantastisch. Und dafür zahlt man ja schließlich gerne auch mal mehr.
Das letzte Spiel Italien - Ecuador wollte ich mir dann aber doch lieber kostenlos im Hotel ansehen. Ich schaffte es zurück gerade rechtzeitig zum Anstoß.

Teil 2: Ibaraki

Teil 2: Ibaraki

Einsam in Ibaraki wanderte ich bis zum Ozean und erlebte schöne Momente mit den Iren.

Teil 3: Kobe

Teil 3: Kobe

In Kobe kam es zu weiteren Fankontakten und in Kyoto zur Begegnung mit alten Kulturen.

Teil 4: Harajuku

Teil 4: Harajuku

Skurille Szenen in den Einkaufsstraßen von Tokio und lateinamerikanische Ausgelassenheit in Sendai.

Teil 5: Hamamatsu

Teil 5: Hamamatsu

Die letzten Tage der WM-Reise in Japan fanden im beschaulichen Hamamatsu statt mit schönen Parks.

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