Am Nachmittag waren wieder drei Spiele angesagt.
Und
wieder stellte sich die Frage: wo gucken? Am Bahnhof, dessen Ausmaße recht
gigantisch und dementsprechend unübersichtlich waren, gab es wieder einen
Servicepunkt für Fans. Dort war eine Japanerin zunächst verwundert über meine
Frage, malte mir dann aber auf einen Zettel den Ort einer Sports Bar im
Vergnügungsstadtteil Shinjuku auf.
Gut, dass ich gleich losfuhr, denn ich
brauchte eine Stunde, bevor ich den Ort fand.
Die gute Dame vergaß nämlich,
die Himmelsrichtungen aufzuschreiben und 'natürlich' war oben nicht Norden.
Glücklich machte mich das aber auch nicht, denn in dieser Bar wurden nur die
Spiele des Free TV gezeigt. Kann es sein, dass es in ganz Tokyo keine Bar,
Restaurant oder sonst etwas gibt, in der die Spiele gezeigt werden? Daran merkte
man, dass sich die Japaner doch nur oberflächlich mit dieser Sportart
beschäftigen.
Als ich die Hoffnung schon aufgegeben hatte, kam ich dann
durch Zufall doch noch an einem kleinen Restaurant vorbei, das draußen auf einem
(englischsprachigem!) Schild mit Live-Übertragungen warb.
Frohlockend schritt
ich rein, als mich der Besitzer aufforderte, doch die 2000 Yen (rund 20 Euro)
für das erste Spiel Kroatien gegen Mexiko zu zahlen. Ich wollte aber auch noch
Brasilien gegen Türkei sehen. Aber dafür musste ich glatt 40 Euro hinblättern.
Dafür waren aber jeweils ein Essen und ein Getränk mit enthalten. Zwei Speisen,
nachdem ich gerade erst kurz vorher gegessen habe... Na prima. Ich tauschte ein
Essen gegen ein Getränk um. Dennoch: Kroatien gegen Mexiko im TV für 20 Euro.
Manche Leute werden mich für verrückt erklären. Aber es lohnte sich. Mexiko
gewann und ich lernte jede Menge Leute dort kennen. Neben dem kultigen Besitzer,
der auch das Essen servierte, waren viele Schweden, Engländer, Japaner und
Türken anwesend. Beim zweiten Spiel krachte der Laden förmlich aus allen
Nähten.
Es war wirklich putzig, wie der Besitzer jedem neuen Gast einen
Stuhl anbot, obwohl gar kein Platz mehr war, wo er ihn hinstellen konnte. So gab
es am Ende nur noch Stehplätze. Schließlich kam auch noch ein Fernsehteam rein
und filmte unsere Jubelausbrüche.
Ich war etwas gespalten, da ich für die
Türkei war, aber neben mir eine nette Chinesin saß, die für Brasilien hielt. Sie
war aber etwas einsam, denn gegenüber saß ein kultiger Türke. Er gab jedem ein
Getränk aus, wenn er mitbekam, dass man für die Türkei schrie. Bei den
japanischen Preisen muss er einige Tausender an dem Abend verloren haben. Das
haben dann ja auch die Türken.
Vorher gab es Bratnudeln zu essen. Erstmals
durfte ich mit Stäbchen essen, was leichter ging als ich dachte. Meinem
schwedischen Nachbarn wurden irgendwann Gabeln angeboten, nachdem der Besitzer
es wohl nicht mehr mit ansehen konnte, wie er sich plagte. Die Gespräche mit den
anderen Fans verliefen immer ähnlich 'Where do you come from?' Dann ein 'Oh' -
ein Kompliment für das fremde Team, das im letzten Spiel ja begeistert gespielt
hatte. Dann macht man dem anderen Mut, Weltmeister werden zu können usw. Dabei
spielt auch eine gewisse Zurückhaltung beim eigenen Team eine Rolle: also
wirklich immer nett und Fair Play.
Zum Abschluss wünscht man dem anderen
'Good Luck'. Die interessanten Details befinden sich dann in der Mitte des
Gesprächs. Insgesamt war dieser Nachmittag fantastisch. Und dafür zahlt man ja
schließlich gerne auch mal mehr.
Das letzte Spiel Italien - Ecuador wollte
ich mir dann aber doch lieber kostenlos im Hotel ansehen. Ich schaffte es zurück
gerade rechtzeitig zum Anstoß.