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Japan Teil 3: Kobe

Kyoto

Kyoto

Bericht von einer dreiwöchigen Reise zur Fußball-WM im Mai/Juni 2002

Shinkansen

Shinkanse

Shinkanse

Am nächsten Tag stand eine längere Reise auf dem Programm: zunächst ging es mit dem Bus nach Tokyo. Es hat eine Zeit lang gedauert, bis das Hotelpersonal meine Frage nach der genauen Haltestelle verstanden hatte. Sie wollten mir zunächst einen anderen Ort nennen. Da ich das nicht glaube wollte, stellte ich noch eine Gegenfrage, die sie dann anders beantworteten. Das hatte ich auch vorher gelesen: die Japaner sagen einfach etwas, um zu verschleiern, dass sie etwas nicht genau wissen. Aber irgendwie klappte es dann noch.

Japanerin

Japanerin

In Tokyo stieg ich in den berühmten Shinkansen (eine Art superschneller Intercity). Es gibt immer 18 Waggons, wobei die ersten 3 nichtreservierte Plätze haben. Ich verzichtete auf Reservierungen, auch wenn sie kostenlos waren. Meistens ging das auch.   
Auf dem Bahnsteig sieht man schon die Nummern und die Japaner stellen sich brav in Schlangen an. Alle Züge waren immer auf die Sekunde pünktlich.

Stadion in Kobe

Stadion in Kobe

Im Shinkansen selbst gibt es einen guten Service. Ständig werden Getränke und jede Menge unterschiedliche Snacks angeboten. In gut 4 Stunden kam ich in Kobe an. Wie in vielen Orten irritiert es, dass es neben einem Hauptbahnhof auch meistens einen Shin-Bahnhof für Shinkansen gibt. Und die sind nicht immer am gleichen Ort. So ist es auch in Kobe, so dass ich in Osaka umsteigen musste, um näher an meinem Hotel anzukommen. Zum Glück hatte ich das vorher im Internet genau recherchiert. Das Hotel war dann auch sehr schnell zu finden. Aber wieder gab es das Problem: kein Pay TV. Also ging ich gleich zum Fan-Village, dass es in jeder WM-Stadt gab. Dort gab man mir eine Broschüre mit Budweiser-Bars, die die Spiele zeigen. Die Erste konnte ich nicht finden, aber bei der Zweiten hatte ich Glück. Die Bar war recht international ausgelegt, denn sie hatte sogar eine englischsprachige Karte.
Dort sah ich Dänemark gegen Senegal und Kamerun gegen die Saudis.

Fankontakte

Schwedenflagge

Schwedenflagge

Ein Ami ulkte mit mir rum und tippte, dass Kamerun 12:0 gewinnen würde. Er wollte nämlich, dass Kamerun weiterkommt und ein besseres Torverhältnis erzielt als Deutschland. Dieser Typ war einer der größten Idole meiner Tour. Er riss einen Witz nach dem anderen und war total begeistert von der fantastischen Stimmung während der WM. Selbst beim American Football, Baseball usw. hat er das noch nie erlebt. Er glaubte nicht, dass die USA die Endrunde erreicht. Deshalb wählte er Schweden als sein Wunschland für die Ticketserien aus. Pech, dass die USA zeitgleich in Korea antrat. Aber er meinte, dass er mit den Schweden auch viel Spaß hätte (wobei er den anwesenden Schweden immer ein 'Sverige' entgegenrief). Er freute sich auch schon auf die WM 2006 in Deutschland.

Kyoto Schrein

Kyoto Schrein

Ich genoss den köstlichen Eiskaffee und die nette Stimmung in der Bar.     
Draußen wartete eine Horde junger Mädchen auf Leute, die rauskamen.
Die ausländischen Fans wurden irgendwie wie Popstars behandelt. Einige musste sogar Autogramme geben! Ich kostete meinen Abgang natürlich auch voll aus.

Heian Schrein

Heian Schrein

Frankreich gegen Uruguay sah ich dann aber im Hotel, da mir die Getränke auf Dauer doch zu teuer wurden. Trotz dem ersten 0:0 war es einer der besten Spiele, da beide Teams sich voll reinhängten.
Am nächsten Tag sah ich mir das Spiel Schweden gegen Nigeria in Kobe live im Stadion an. Den Vormittag verbrachte ich aber in der größte Touristenstadt Japans: Kyoto. Der Ort liegt eine Stunde von Kobe entfernt. Auf meinen Karten sah die Entfernung vom Bahnhof zu den sehenswerten Schreinen und Palästen recht nah aus, daher ging ich zu Fuß. Das täuschte aber ganz schön. Da dieser Ort nur so von schönen Bauten, netten Gassen und Parks wimmelt, ging die Zeit viel zu schnell um. Nach der Hälfte musste ich umkehren.

Eine Buddha-Statue

Eine Buddha-Statue

In einem Laden kaufte ich noch einen Buddha, den ich für jemanden mitbringen sollte. Auch das war ein Abenteuer, denn die Verkäuferin konnte (natürlich) kein Wort englisch. Aber sie holte ihre Tochter, die zumindest andeutungsweise verstand, was ich wollte. Jedenfalls war sie sehr sehr freundlich. Nach dem Kauf floss das Wasser nur so an meinem Körper, denn es war drückend heiß.

Im Ozaki-Park

Im Ozaki-Park

In Kobe lag dann noch ein 30 Minuten-Marsch zum Stadion vor mir. Begleitet wurde dieser mit schwedischen Schlachtgesängen. Nigerianer waren leider so gut wie gar nicht zu sehen. An der Strecke standen wieder zahlreiche Ordner, die alle Ansage nur in japanisch machten. Das klang zwar kultig, aber war nicht gerade hilfreich. Aber da ohnehin alles ordnungsgemäß abgesperrt war, konnte man sich ohnehin nicht verlaufen.
Die Stimmung vor und im Stadion war wieder klasse.

Nigerianer

Nigerianer

Diesmal gab es allerdings auch einzelne Personen aus dem Schwedenblock (der sich direkt vor mir befand), die sich daneben benahmen. Einer trat immer mit voller Wucht gegen eine Tür, wenn mal wieder ein Schuss übers Tor ging. Und über die Ordner, die auf das Nichtrauchen, das Versperren von Wegen und das Stehen vor Behindertenplätzen, achteten, lachten sie nur und handelten genau andersherum. Aber das waren zum Glück nur ganz wenige Ausnahmen (die ich allerdings auch nur bei Deutschen und Schweden beobacht habe).

Schweden und Japaner

Schweden und Japaner

Ansonsten kann ich wieder nur Gutes über das Stadion, die Stimmung, das Wetter, die Getränke die Gastgeber sagen. Schweden gewann überraschend das Spiel.
Pünktlich kam ich anschließend in die Budweiser Bar, um Spanien gegen Paraguay zu sehen. Anschließend waren die Engländer über den Sieg gegen Argentinien begeistert. Engländer sah man eigentlich immer und überall. Sie zeigten sich aber auch sehr fachmännisch interessiert.

Ein Ire in Schwedenkluft

Ein Ire in Schwedenkluft

Das merkte ich u.a. auch beim Schweden-Spiel, da gleich mehrere Engländer hinter mir saßen und die Spielzüge analysierten. Im Gegensatz zu anderen Fangruppen ignorierten sich Deutsche und Engländer weitgehendst (dafür gab es aber auch keine Ausschreitungen).
In Kobe hätte ich mir gerne noch viel mehr angesehen (u.a. den Yumefusen und den Wasserfall), aber leider fehlte die Zeit dafür.

Torsalto von Nigeria

Torsalto von Nigeria

Am folgenden Tag musste ich wieder zurück gen Tokyo. Ich machte in Ueno einen Zwischenstopp. Mein Gepäck verstaute ich in einem Schließfach. Dort gibt es einen sehr schönen Park. Da heute Sonntag war, wimmelte es dort nur so von Einheimischen. Straßenmusiker und Komödianten unterhielten die Gäste. Schattige Wege unter Bäumen sorgten für Abkühlung. Vor einem See genoss ich dann einen Eiskaffe und das bunte Treiben. In Schwanenbooten hätte ich noch auf dem See paddeln können. Aber wie immer fehlte die Zeit.

See im Ueno-Park

See im Ueno-Park

Was mir immer wieder auffiel: es gab jede Menge verliebter junger Paare. In Japan (und noch mehr in Korea) wird sehr früh geheiratet. Singles kennt man praktisch nicht. Und das erstaunliche: hier scheinen sich die Paare blendend zu verstehen. Niemand schien sich zu streiten, niemand war unglücklich und nicht mal unzufrieden. Jeder nahm auf den anderen Rücksicht - es schien mir wie im Paradies zu sein.
Im weiteren Verlauf des Parks entdeckte ich dann doch ein paar Arme, die mir bislang nicht über den Weg liefen. Sie haben hier ein kleines Zeltdorf aufgebaut. Davor wurde gerade ein christlicher Open Air-Gottesdienst gefeiert (das Feiern war hier wörtlich zu nehmen, denn die Musik war recht fetzig).

Bootfahren in Ueno

Bootfahren in Ueno

Den Nachmittag musste ich taktisch ausfüllen: einerseits musste ich irgendwann in meinem Hotel in Omiya einloggen, zum anderen gab es dort aber nicht das Spiel Südafrika gegen Slowenien zu sehen. Also sah ich in meine Broschüre, die ich in Kobe erhielt.
Es schien in Tokyo doch Bars mit TV-Übertragungen zu geben. Ich fuhr mit der Bahn nach Harajuku.

Schrein

Schrein

Mittlerweile hatte ich das Prinzip der Bahnlinien heraus. Es gibt praktisch 6 unterschiedliche Zugtypen, die im Prinzip auf den gleichen Linien (oder etwas versetzt daneben fahren). Da gibt es zum einen die superschnellen Shinkansen, die auch gerne mal 300 km am Stück fahren. Dazu gibt es aber auch welche, die zwischendurch öfters mal halten und welche, die an jedem größeren Bahnhof stoppen. Überholt wird immer, wenn ein Zug am Bahnhof hält. Deshalb ist es auch wichtig, dass alle Züge pünktlich sind, sonst funktioniert das Prinzip nicht. Bei Regional- und Lokalbahnen ist es ähnlich. Hier gibt es aber jeweils zwei Linien pro Richtung, so dass ein Expresszug einen Zug, der an jeder Gießkanne hält, auch während der Fahrt überholen kann.

Im Park

Im Park

Für Touristen, die das Prinzip nicht kennen, ist es zunächst unverständlich, ob der nächste Zug nun am nächsten Bahnhof hält oder nicht. Es gibt aber Tafeln, an denen die Züge farblich gekennzeichnet sind. Nun muss man nur noch auf die Abfahrtszeit achten. Fahren zwei Züge gleichzeitig sollte man für "Fernfahrten" den äußeren Bahnsteig nehmen.
Zunächst fuhr ich einmal blöderweise viel zu weit mit einem Fernzug und musste dann wieder zurück (zum Glück fahren die Züge fast im Minutentakt). Als ich das Prinzip aber verstanden hatte fand ich es schon genial.
Im Übrigen schläft man in den Zügen (die man hier als S-Bahn bezeichnen würde), zumindest wenn es sich um japanische Geschäftsleute oder Schüler handelt. Ist schon eine urige Gesellschaft.

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