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Japan Teil 5: Hamamatsu

Hamamatsu

Hamamatsu

Bericht von einer dreiwöchigen Reise zur Fußball-WM im Mai/Juni 2002

Freundliches Hamamatsu

Fuji-san

Fuji-san

Im Zug rätselte ich noch, ob meine Hamamatsu-Karte wieder so ungenau sei wie z.B. die von Kyoto. Sollte ich doch lieber einen Bus oder ein Taxi zum Hotel nehmen oder wie geplant zu Fuß gehen? Ich marschierte erst mal los und merkte schnell, dass der Weg sogar noch kürzer war als es auf der Karte erschien. Nach 20 Minuten fand ich das Hotel Concorde. Anscheinend war es das beste Hotel am Platz. Zum einen waren hier auch die internationalen Medienvertreter untergebracht und zum anderen wurde ich besonders freundlich von den rund 8 Portiers begrüßt. Man reichte mir gleich ein paar Broschüren mit Fahrzeiten zum Stadion und eine Einladung zu einer traditionellen Tee-Zeremonie.
Am nächsten Morgen hatte ich sogar eine englischsprachige Zeitung unter meiner Tür. Die Zimmer waren auch ein wenig größer als normal. Trotzdem waren die Kosten kaum höher. Doch, hier konnte man sich wohlfühlen.

Nach dem Mittag begann wieder das übliche Drama: das Suchen nach einer Kneipe mit Fernseher. Bei der Gelegenheit sah ich mir ausgiebig die Stadt an. Hier war alles etwas beschaulicher als in Tokyo, Sapporo, Kobe oder Omiya. Das Zentrum wirkte sehr aufgeräumt. Es gab nette Gassen mit kleineren Kaufhäusern, vielen Cafes und Restaurants, Discos und nette Geschäfte. Am Bahnhof verweilte ich eine Weile, denn man hatte für die Fußballfans und Einheimische eine Plaza aufgebaut, wo traditionelle Musik und Tänze dargeboten wurde. Leider war das Interesse sehr dürftig. Es standen nur ein paar ältere Japaner vor den Bühnen. Ohnehin war von deutschen und kamerunischen Fans nichts zu sehen, nur Engländer sah man (wie üblich) gelegentlich.
Einen Fernseher sah ich natürlich auch nicht. Ich überlegte kurz, ob ich nicht nach Shizuoka fahren sollte, weil dort evtl. mehr los ist.

Tee-Zeremonie

Tee-Zeremonie

Ich blieb dann doch in Hamamatsu, denn die Atmosphäre war ja trotzdem sehr nett. Ich setzte mich in ein Straßencafe und genoss die Wärme. Auf dem Weg entdeckte ich eine kleine japanische Snack-Bar, in deren Hinterzimmer ein winzig kleines TV-Gerät stand. Ich hatte die Hoffnung, von der Straße aus wenigstens etwas vom nächsten Spiel sehen zu können. Kurz vor 15:30 machte ich mich also noch mal auf den Weg. Aber plötzlich sah ich dann ein Schild in englisch mit den Spielansetzungen des Tages und dem Wort 'live'. Dahinter versteckte sich tatsächlich eine Kneipe in einem düsteren Keller, in der eine Großbildleinwand stand. Hier sah ich dann Südkorea gegen USA. Es waren einige Amis im Raum. Bei ihrem ersten Tor machte der Kneipenbesitzer die Lichtorgel an. Das machte er aber auch beim Tor der Koreaner, da zwei Asiatinnen im Raum waren, die Südkorea die Daumen drückten (ich natürlich auch).

Das Bier kostete in der Halbzeit nur 3 statt 5 Euro (umgerechnet), so dass ich dann auch mal zuschlug. Es nannte sich World Cup Beer und kam aus der Flasche. Zudem gab es leckere Snacks zum Essen (zwar teuer, aber dafür große Mengen). Es war also richtig nett dort. Anschließend spielte noch Tunesien gegen Belgien und Portugal gegen Polen.
Nach langer Zeit sollte es am nächsten Tag mal wieder etwas tröpfeln. Diese Begleiterscheinung und die Tatsache, dass ich es zeitlich wohl nicht schaffen würde, änderte meinen Unternehmungsplan. Ich fuhr nicht zum Fuji-san (ich hatte ihn ja sowieso schon aus dem Zug gesehen), sondern wanderte lieber durch den sehr schönen Park, der gleich neben dem Hotel lag. Da die Japaner noch wasserscheuer als die Deutschen sind, war der Park praktisch ausgestorben. Ich empfand die paar Tropen aber eher als Erfrischung und genoss mal wieder die Ruhe.

Park

Park

An jeder Ecke gab es tolle Bilder: Brücken über kleine Teiche und Bächer, Denkmäler, schöne Wege und ganz oben auf einem kleinen Gipfel ein Schrein. Normalerweise könnte man hier stundenlang gehen und sitzen. Aber ich wollte ja auch noch an der Teezeremonie teilnehmen. Also begab ich mich in den ersten Stock. Dort machte eine Japanerin im traditionellen Gewand frischen Tee. Dazu reichte sie etwas Süßes. Jeder Gast wurde von seinem persönlichen Dolmetscher begrüßt. Ich hatte eine nette Japanerin, die mir die Worte der Zeremonienmeisterin übersetzte. Neben mir saß auch noch eine ältere Frau, die mir in japanisch ständig etwas erzählte. Anständig antwortet ich mit leichtem Nicken und 'Hei'. Aber ab und zu übersetzte mir meine Dolmetschein auch das. Sie wünschte dem deutschen Team zudem viel Erfolg bei der WM und merkte an, dass sie einerseits überrascht sei, dass in der Stadt recht wenige Fans seinen, die aber alle extrem nett seien.

Am Nachmittag ging ich nochmals in die Bar, in der ich bereits gestern war. Bei einem leckeren Essen begeisterte mich der Sieg von Dänemark gegen Frankreich. Als das Ergebnis praktisch feststand, schaltete der Wirt auf die restlichen Minuten von Senegal gegen Uruguay um (Zwischenergebnisse gab er vorher auch schon bekannt). Und Senegal schaffte auch den Sprung ins Achtelfinale. Selten haben mich zwei Ergebnisse derart beglückt. Diesmal war die Bar richtig gut gefüllt. Und es waren tatsächlich ein paar Deutsche da. Einer von ihnen beklagte es, dass man so wenige Deutschland-Fans sieht. Zunächst dachte ich nicht, dass er ein Deutscher sei, da er mit einem komischen Akzent sprach. Es stellte sich dann raus, dass seine Geburtsstadt Meppen war.
Es war schon ein komisches Gefühl, deutsch zu sprechen. So sehr hatte ich mich schon ans Englische gewöhnt.

Brücke

Brücke

Es kam sogar vor, dass ich in einem Gespräch mit einem Deutschen ins Englische abglitt. Am Abend spielte Saudi Arabien gegen Irland, aber zeitgleich Deutschland gegen Kamerun. Blöderweise brauchte Rudis Truppe noch einen Sieg. Aber dann wäre Kamerun draußen, was sehr schade gewesen wäre. Da aber Irlands Fans so super waren, gönnte ich es ihnen natürlich auch und drückte Olli Kahn die Daumen. Er hatte bislang überragend gehalten und war vor und nach dem Spiel immer als Erster bei den Fans und bedankte sich brav. Klose spielte auch eine tolle WM mit vielen Kopfballtoren. Von Ballack durfte man sowieso viel erwarten.
Mit der Bahn ging es zum Stadion - es lief alles reibungsfrei. Vor dem Stadion waren wieder viele Stände mit Snacks, Getränken, Fanware und Spielen aufgebaut. Wie üblich wurden Erinnerungsfotos geschossen und es wurde viel gesungen. Pünktlich hörten auch die letzten Regentropfen auf.

Im Stadion traf ich dann wieder den Meenzer, den 'Rothaarigen', den König Fußball und alle anderen, die ich schon richtig lieb gewonnen hatte. Und auch zwei junge Japanerinnen waren wieder dabei. In Sapporo waren sie noch recht scheu und wunderten sich ein wenig über die Gesangeskünste und die ständigen Anfeuerungsrufe. Aber beim zweiten Spiel sprachen sie dann schon viele Leute an, fragten, was denn das eine oder andere bedeuten soll und jetzt sangen sie schon kräftig mit.
Bislang war ich über die Schiedsrichterleistungen der WM hoch erfreut. Es gab nur ganz wenige kritische Szenen (die kamen erst ab dem Achtelfinale). Aber der heutige Schiri wollte wohl einen Rekord aufstellen. Praktisch jeder Spieler erhielt eine gelbe oder rote Karte. Mit der Zeit wurde es schon amüsant und wir forderten lautstark eine Karte, wenn er Schiri es ausnahmsweise mal vergaß.
0:0 zur Pause und nur noch 10 Mann. Hinter mir spielten sich dramatische Szenen ab.

Noch eine Brücke

Noch eine Brücke

Ein deutscher Fan war sehr deprimiert und sagte seinem Freund ständig 'Das war's wohl'. Und der erwiderte: 'Sei doch nicht immer so pessimistisch. Wir sind doch nicht über den halben Globus gefahren, um unser Team verlieren zu sehen. Die gewinnen das Ding noch. Und wenn nicht, dann darfst Du mich nachher schlagen. Aber das wird nicht nötig sein.'
War es auch nicht, denn Winnie Schäfer und sein Team verlor.
Gegen Mitternacht ging ich in Hamamatsu noch in ein Medien-Center. Hier kann man Videos leihen, am Computer spielen, Pay-TV schauen, Bücher lesen und im Internet surfen. Es dauerte eine halbe Stunde, bis ich dem nur japanisch sprechenden Typen an der Kasse klar gemacht hatte, dass ich nur kurz ins Internet wollte. Ich musste trotzdem eine (kostenlose) Mitgliedskarte ausfüllen. Man gut, dass sie nur in japanisch beschriftet war.
Was sollte ich hinschreiben? Ich schätzte mal: Namen und Anschrift. Na ja, halbwegs passte es dann und ich durfte endlich an einen PC. Es war aber alle umsonst.

Welcome-Gebilde

Welcome-Gebilde

Die FIFA-WM-Seite war mal wieder überlastet. Ich versuchte es eine halbe Stunde. Keine Chance! Dafür durfte ich dann rund 2 Euro blechen. Dabei wollte ich noch ein Ticket für das Achtelfinalspiel von Irland erwerben (das für Deutschland hatte ich automatisch erhalten).
Am nächsten Morgen musste ich gegen 5 Uhr aufstehen. Gegen 6 Uhr fuhr schon mein Zug nach Nagoya. Auf dem Bahnhof suchte ich die Haltestelle für den Airport-Bus. Ich hatte etwa 8 Minuten Zeit. Die nutzte ich auch bis zur letzten Sekunde aus. Zunächst suchte ich selber (leider auf der faschen Bahnhofsseite). Dann fragte ich zwei Beamte, die mir zumindest grob die Richtung nennen konnten (nachdem sie 2 Minuten gebraucht haben, um das Wort 'Airport' zu deuten). Zufällig sah ich dann irgendwann eine Schild und ich schaffte es gerade noch so. 
Nun hieß es Abschied nehmen von Japan. Mir hat das Land sehr gut gefallen und alle Leute waren sehr nett und freundlich. Am Flughafen gab es mal wieder umfangreiche Sicherheitschecks, aber so langsam gewöhnte ich mich dran.
Wie die Züge hoben auch die Flugzeuge pünktlich ab. Die Flieger fahren sogar früher auf die Startbahn, damit sie wirklich rechtzeitig abheben können.

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