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Südkorea Teil 2: Gastfreundschaft

Auf der Wippe

Auf der Wippe

Bericht von einer dreiwöchigen Reise zur Fußball-WM im Mai/Juni 2002

Zurück in Seoul

Costa-Rica-Fan

Costa-Rica-Fan

Nach dem Abstecher nach Japan betrat ich nach zwei Stunden Flug endlich wieder koreanischen Boden. Mit dem Airport Bus fuhr ich wieder nach Seoul hinein. Ich fühlte mich wie zu Hause. Diesmal wusste ich ja auch, wo ich aussteigen musste und wanderte begeistert mit meinem Rucksack die 10 Treppen rauf und runter bis ich vor meinem bereits bekannten Hotel stand. Viel Zeit zum Ausruhen blieb nicht, denn ich wollte heute noch ein Live-Spiel sehen. Ich zog mich schnell um und fuhr zum Hauptbahnhof. 
Dort war der FIFA-Raum, in dem man seine Tickets einlösen konnte. Ich steckte meine Karte in einen Automaten und schon bekam ich es für das deutsche Achtelfinale. Die Reihe vor den Internet-PCs war zu lange, deshalb konnte ich erneut keine Bestellung für das zweite Achtelfinale tätigen.

Brasillien-Fans

Brasillien-Fans

Es war nicht ganz einfach vor lauter unterirdischen Gängen zu den U-Bahnen den eigentlichen Bahnhof für Fernzüge zu finden. Ich kaufte ein Ticket und fuhr dann nach Daejeon. Die Züge in Korea waren noch serviceorientierter als in Japan. Hier hingen sogar Fernseher an der Decke, in dem die WM-Spiele über Satellit live übertragen worden sind. Ich fand das praktisch, da ich dadurch den Anfang von Schweden gegen Argentinien mitbekam. Den Rest sah ich dann mit einer ganzen Horde von zumeist koreanischen Fußballfans in der Bahnhofsvorhalle von Daejeon. In der Pause holte ich mir rasch etwas zu Essen in einem Schnellimbiss.

Bus-Chaos nach dem spanischen Sieg

Meine Gastgeberfamilie

Meine Gastgeberfamilie

Nach dem Spiel probierte ich dann mal die kleinen mit Pudding gefüllten Gebäckstückchen, die an allen Bahnhöfen frisch verkauft werden und köstlich riechen (und auch schmecken). Die Tüte hielt dann auch den ganzen Abend lang. Dann ging es mit dem kostenlosen Shuttle-Bus quer durch die Stadt zum Stadion. Dort sah ich dann das Spiel Spanien gegen Südafrika. Erstmals sprachen mich dann auch Engländer an. Ich wusste aber nicht, was sie mit einem angeblichen 5:1-Sieg in München meinten. War da was? Sie waren Fans von Aston Villa, hatten aber vom FC St. Pauli noch nie etwas gehört. Dabei schienen sie ansonsten recht fachmännisch zu sein und gingen mit den englischen Hooligans (die zum Glück nicht anwesend waren) hart ins Gericht.

Südafrika spielte toll, aber Spanien gewann dennoch. Die Stimmung, das Spiel, das Stadion und das abendliche Wetter waren aber wieder so genial, dass es mir am Ende ganz egal war, wer gewann. Es war einfach nur schön.
Nach dem Spiel herrschte zunächst allgemeine Verwirrung vor dem Stadion. Man merkte einen deutlichen Unterschied zur japanischen Organisation. Wild durcheinander standen überall Busse herum. Die Beschriftung der Schilder: koreanisch.
Dummerweise hatte ich mir vorher nicht gemerkt, wie Hauptbahnhof geschrieben wird. Alle Menschen liefen quer durcheinander. Es wäre lustig gewesen, wenn ich nicht den Zug nach Seoul erreichen müsste. Zum Glück hatte ich vorher noch keinen Platz für einen bestimmten Zug gebucht (ich hatte einen gewisse Rückfahr-Problematik vorher schon geahnt).
Es half wenig, der Masse nachzulaufen, denn jeder wollte irgendwo anders hin (interessanterweise irrten auch die Koreaner fragend herum).

Deutsche Fans

Deutsche Fans

Dann sprach ich einfach mal einen der netten blaugekleideten Helfer an, die eigentlich dafür da waren, den Fans die Richtung zu weisen.
Mit 'Station' konnte er aber nicht viel anfangen, auch 'Train' hatte er wohl noch nie gehört. Aber dieser etwas ältere Herr war furchtbar nett. Trotz der tausend anderer Leute, die Fragen hatten, bekam ich eine Privatbehandlung.
Er griff sich meinen Arm und lief mit mir durch die Gegend, um einen Kollegen zu finden, der evtl. wüsste, wohin ich will. Einer verstand mich dann auch, aber die Haltestelle des Busses kannte er auch nicht. Nach weiteren 10-15 Minuten sprach er dann einfach eine vorbeirennende Frau an. Und die fragte mich nur 'Seoul?'. Ich nickte und daraufhin schnappte sie mich unter ihren Arm.

Facepainting

Facepainting

Sie machte mir irgendwie klar, dass sie praktisch kein Wort englisch spricht. Aber ich verstand zumindest sinngemäß, dass sie zu ihrer Familie wolle, die den Bus zum Bahnhof gefunden haben. Na gut, es war nicht der Shuttle-Bus, aber wenigstens ein normale Linien-Bus, der in die Richtung fuhr.
Schnell stellte sie ihre Familie vor: Grandpa, ihren Mann, ihre Tochter und ihren 12jährigen Sohn. Nur der Kleinste sprach etwas englisch. Wie selbstverständlich bezahlte mir der Vater die Fahrt. Er bat zudem den Busfahrer, nicht überall anzuhalten, damit wir pünktlich zum Bahnhof kämen (denn die Familie hatte reserviert). Es klappte dann auch.
Vor Ort besorgte er mir dann noch einen Sitzplatz neben seiner Familie, weil er einen Koreaner zum Umtausch überreden konnte. und auch während der Zugfahrt wurde ich von der überaus netten Familie verwöhnt: es gab Bananen und Getränke.

Schülergruppen

Schülergruppen

Der Sohn diente als Dolmetscher. Er bot mir an, dass sein Vater und er mich am nächsten Tag durch die Gegend fahren würden und luden mich zum Essen ein. So viel Gastfreundschaft wurde mir langsam peinlich. Ich hatte den Abschnitt 'Einladung' in meinem Reiseführer nur flüchtig überlesen, weil ich nie damit rechnete, dass mir so etwas passiert.    
Deshalb wachte ich am nächsten Morgen auch leicht nervös auf. Wie sollte ich mich kleiden, wie benehme ich mich und was bringe ich als Geschenk mit (ist laut Buch zwingend nötig). Für den unwahrscheinlichen Fall der Fälle hatte ich eine CD mit deutschen Interpreten mitgebracht (ohne zu ahnen, dass ich sie wirklich verschenken würde).

Private Besichtigungs-Tour

Volksmuseumsdorf

Volksmuseumsdorf

Pünktlich holten mich Vater und Sohn vom Hotel ab. Wir fuhren zu einem großen Volksmuseumsdorf. Hier stehen Hütten und Gebäude, wie sie in Korea üblich waren. Aber auch über andere Völker der Erde (Indianer, Afrikaner usw.) konnte man sich informieren. Öfen, Küchegeräte, Schaukeln usw. konnte man selbst ausprobieren. Ist schon ein sehenswerter Ort, den ich wohl ansonsten zeitlich nicht geschafft hätte. Mittags wurde ich zu einer Nudelsuppe eingeladen. Das war nicht nur von der Menge her gigantisch, sondern auch von der scharfen Würze. Aber sie schmeckte super. 
Am Nachmittag wurde ich am Stadion von Suwon abgesetzt. Dort sah ich den späteren Weltmeister Brasilien gegen Costa Rica. Die Mittelamerikaner spielten toll mit, aber die Brasilianer nutzte das offensive Spiel der Costa Ricaner voll aus. Trotzdem machte das Spiel Spaß. Und die beiden Fangruppen waren auch wieder klasse.

Schon vor dem Spiel feuerten sie sich gegenseitig an. Einfach super. Und wieder war der Sitzplatz ausgezeichnet.
Natürlich konnte ich mich nicht umziehen, nur mein Cappy nahm ich anschließend ab. Das machte zum Glück nichts, denn die Familie blieb auch beim Essen leger gekleidet. Sie wohnen in einem Hochhaus in der Nähe von Seoul. Dort lernte ich auch Grandma und ihren Hund kennen.
Das Essen (traditionell af dem Fußboden) war köstlich und sehr umfangreich: Huhn, Rind, Reis, Nudeln, scharfes Gemüse, getrocknete Spinatblätter (schmeckt auf Reis sehr lecker), Kartoffeln (extra für mich als Europäer zubereitet!) usw. Dazu gab es reichlich Alkohol und Wasser. Ich wollte eigentlich auch ausgiebig schmatzen und rülpsen (wie es in Korea gute Sitte ist), aber leider konnte ich mich nicht so schnell daran gewöhnen.

Hoffentlich haben sie trotzdem gemerkt, wie sehr es mir geschmeckt hat. Nach dem Essen durfte ich im Internet surfen und anschließend (da der Sohn für 2 Stunden in die Schule musste) mit der Familie Italien gegen Mexiko im TV sehen. Jetzt wurde es allerdings ohne Dolmetscher schwierig. Dennoch unterhielten wir uns sehr gut. Die Mutter zeigte mir Bilder ihres Urlaubs in Europa (in 7 Tagen London, Paris, Schweizer Alpen und Venedig) und erzählte von ihren Jobs. Das tat ich dann auch (indem ich die Website meiner Firma vorführte). Das war Völkerverständigung pur.
Zum Glück hatten sie heute wegen der Präsidentschaftswahlen frei. Später fuhren sie mich noch zum Hotel zurück. Ich lud sie ein, auch mal nach Deutschland zu kommen. Mehr konnte ich nicht tun. Ich war von so viel Gastfreundschaft total überwältigt.

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