Anfang der 70er war ich als kleiner Junge mit
meinem Eltern im Urlaub in Bibione an der Adria in Italien.
Einmal haben
wir von dort einen Tagesausflug in das damalige Jugoslawien gemacht - das
heutige Slowenien.
Wir sind relativ früh am Urlaubsort aufgebrochen um
möglichst viele Eindrücke im Laufe des Tages einzufangen. Während der Autofahrt
in Richtung Triest brach plötzlich ein Umwetter los und wir mussten die Fahrt
unterbrechen.
Geröll- und Felsmassen blockierten die Straße. Gewaltige
Wassermassen strömten zu Tal und hinderten uns massiv an eine Weiterfahrt.
Nachdem sich die Wetterlage beruhigt hatte fuhren wir vorsichtig mit
verminderter Geschwindigkeit auf überfluteten Straßen weiter und waren so gegen
10 Uhr am Grenzübergang zur Republik Slowenien.
Auf der
jugoslawischen Seite empfingen uns dann finster dreinblickende und mit
Kalaschnikows schwerbewaffnete Grenzsoldaten, die uns fast feindselig musterten
und kontrollierten. Nach dieser unerfreulichen Begegnung hatten meine Mutter und
eine mitfahrende Bekannte plötzlich das Bedürfnis eine Toilette aufsuchen zu
müssen und ein weiterer Mitfahrer mußte unbedingt auf diesen Schreck einen
"Original Slivowitz" trinken, der ihm dann auch an einem der provisorischen
Grenz-Kioske in einem Cola-Glas serviert wurde.
Nach kurzem Aufenthalt
fuhren wir dann weiter auf der vielbefahrenen Transitstrecke in Richtung Süden
und reihten uns wie eine Perle mit unserem Auto in die Kette der Autokarawane
ein. Im Stop-and-Go-System näherten wir uns quasi im Schritttempo der
Seehafenstadt Koper. Diese unerträgliche Situation, auch wegen der großen Hitze,
hat uns veranlasst, die Hauptstraße in Richtung Adria zu verlassen. In
Sichtweite des Meeres, im slowenischen Teil der Halbinsel Istrien und nördlich
von Koper, entdeckten wir ein Landhaus mit Restaurationsbetrieb und kehrten dort
ein. Es war Zwölf Uhr mittags und wir hatten Hunger.
Der Gastraum war
groß bemessen, schlicht und einfach eingerichtet mit wunderschönen Blick auf die
blaue Adria. Wie es schien, waren wir die einzigsten Gäste. In der Mitte des
Raumes standen zwei große Weinfässer und ein kleineres Fass mit Slivowitz. In
einer Ecke des Raumes scherzten einige Personen des Bedienpersonals, scheinbar
bemerkten sie uns nicht.
Nach sechs bis sieben Minuten fragte uns jemand
nach unseren Wünschen und wir verlangten nach der Speisekarte. Man versicherte
uns, auch ohne Speisekarte hier gut essen zu können. Wir sollten uns nur
entscheiden:
Fisch oder Fleisch. War haben uns für Fleisch entschieden und
für uns Kinder Säfte bestellt. Die Frauen versuchten sich am Landwein vom Fass,
die Männer probierten den ungefilterten Slivowitz. Gegen 13:30 Uhr kam endlich
das Essen. Wir waren überwältigt. Riesige Platten, Teller und Schüsseln mit
Balkan-Spezialitäten wurden aufgetragen. Es war ein Augenschmaus. Nach diesem
üppigen Mahl waren alle müde und wir beschlossen zurückzufahren. Die damalige
Republik Kroatien haben wir wegen widriger Umstände nicht
erreicht.