Wir nahmen alles, was es gab. Von sämtlichen Versicherungen über
Zusatzgeschirr bis zum Toaster. Man will ja nicht frieren... Mir kam die ganze
Sache mit den verschiedenen Abwasserschläuchen, mit dem Gas und dem
Stromgenerator recht kompliziert vor. Aber in der Praxis hat man das schnell
raus.
Ich nutzte die Wartezeit, um mir Wohnmobile zum Kaufen anzuschauen (für 20000 DM ist man schon dabei - gebraucht, aber gut in Schuss) und diverse Prospekte und Gutscheine zu sammeln.
Am späten Nachmittag war es dann endlich soweit. Kurz nachdem wir über 2 riesige busartige Wohnmobile gelästert haben, weil man mit denen doch bestimmt nur sehr schwer fahren könne, wurden uns unsere Fahrzeuge zugeteilt. Es waren genau die beiden 'Busse'. Eigentlich wollten wir 2 kleinere Wagen mit so einem Überdach über Fahrersitz haben, aber wegen dem Andrang gab es keine mehr, so dass wir die nächstbessere Gattung erhielten.
Zuerst waren wir etwas misstrauisch, aber es stellte sich im Nachhinein als sehr guter Tausch da, da man in dem Mobil sehr viel Platz hatte und äußerst schwelgabel gucken konnte.
Im hinteren Teil war ein recht großes Schlafzimmer, das Mittelteil bestand aus einem Sofa, das zu einem Bett ausgefahren werden konnte, einem Esstisch mit 2 Sitzbänken, einem Sessel, der Küche mit Kühlschrank, Eisfach, Ofen, Herd, Mikrowelle und sehr vielen Schränken und Fächern. Außerdem gab es vorne sehr viel Platz für Fahrer und Beifahrer.
Im Mittelteil verbrachten wir die Nacht. Das hatte den Vorteil, das man abends noch fernsehen konnte. Der hing über dem Fahrersitz. Auch ein Vorteil gegenüber dem kleineren Wohnmobil, denn da war keiner drin.
Es gab noch eine kurze Einführung von einem Schweizer, der den Wagen auch noch voll tankte. Das war es dann auch endlich. Werner setzte sich zum Steuer, ich an meine Videokamera und los ging’s. Der Giga-Supermarkt
Vor unserer Reise hatte ich einen Zeitplan gemacht, wann wir wo sein müssen, um wieder pünktlich nach 3 Wochen in San Francisco zu sein. Ich hatte damals damit gerechnet, dass wir bereits mittags losfahren würden. Durch diese Warterei verschenkten wir aber bereits einen halben Tag. Und gerade die ersten 4 Tage waren ohnehin schon knapp bemessen. Denn gleich hier trennten wir 8 uns. Die zweite Crew wollte über Yosemite und Death Valley fahren, während wir nach L.A. wollten. Am Montagabend sollte in Las Vegas Treffen sein. Deshalb hatten wir dort einen Campingplatz vorbestellt.
Vorher füllten wir aber noch unsere Wagen und unsere Mägen mit Vorräten. Der erste Supermarkt (gleich in der Nähe der Vermietstation) wurde angefahren.
Hier wurden wir überwältigt von der sagenhaften Größe. Angefangen von den Einkaufswagen (doppelt so breit und lang wie bei ALDI) über das Obst (Kartoffeln so groß wie Footballbälle - oder waren das Kürbisse - wer weiß das hier schon?) bis hin zu den Cornflakes-Packungen. Ich nahm mir von letzterer gleich mal ein Doppelpack, woraufhin der Wagen bereits voll war (und der war schon groß - wie bereits erwähnt). Werner war hin und weg vom gut sortierten Fleischangebot, während ich wenig begeistert war über die Tatsache, dass die Amis anscheinend keine Nuss-Nougat-Creme kennen (jedenfalls nicht in diesem Laden - wie sich später herausstellte).
Um es schon mal zu erwähnen: sehr gut schmeckten diverse Fruchtsäfte (z.B. Orangensaft pur oder der sagenhafte Erdbeer-Bananen-Saft). Das Mineralwasser ist komischerweise fast nur ohne Kohlensäure und das Bier besser als sein Ruf. Die Cola schmeckt besser als hier (ist gar nicht so süß wie immer behauptet wird).
Gewöhnungsbedürftig ist der Joghurt. Allerdings gibt es eine besondere Köstlichkeiten, wie den sagenhaften Banana-Strawberry-Cheesecake-Joghurt. Echt lecker.
Die ersten Meilen
Endlich ging es los. Die nächsten Tage fuhren wir 4 alleine, erstmals überhaupt in den USA. Das Fahren war für Werner kein Problem, ich nahm auf dem Beifahrersitz Platz.
Es war bereits kurz vor 19 Uhr Ortszeit. Zu dem Zeitpunkt wollten wir bereits mitten auf der Küstenstraße Richtung L.A. bei Big Sur sein. Wir mussten am nächsten Abend bereits in L.A. campieren. Würden wir es an einem Tag schaffen? Und würden wir an diesem Abend noch einen Campingplatz finden, wenn wir noch möglichst weit fahren würden?
Wir disponierten schnell um. Statt gleich auf die Küstenstraße 1 zu fahren, blieben wir erst mal auf dem weitaus schnelleren Highway 101. Im schummrigen Abendlicht sah man bereits herrliche Landschaften. Kleinere Hügel mit viel Grün und vertrockneten Stellen gemischt. Aber im Vergleich zu anderen Plätzen war dieser Abschnitt eher nicht so reizvoll. Es ging durch Silicon Valley, einem sehr ausgedehnten Industriegebiet ca. 100 Meilen Richtung Süden.
Von der Vermietstation bekamen wir einige Campingführer. Während der Fahrt suchte ich einen geeigneten aus. Um ca. 21 Uhr steuerten wir einen Platz in Morgan Hill an. Es wäre zwar auch kein großes Problem gewesen, 'wild' zu campen, aber wir bevorzugten doch lieber die Campingplätze und National Forests, um das Abwasser herauszulassen, neues Wasser zu tanken, Stromanschluss zu haben (um den Generator nicht zu sehr zu beanspruchen), ggf. Kabelanschluss für den Fernseher und größere sanitäre Anlagen nutzen zu können (die Dusche und das Bad waren auf Dauer doch etwas beengt im Wohnmobil - zumal nur für 1 Person zur gleichen Zeit nutzbar).
Am Eingang des Platzes stand ein Pförtnerhaus, das aber bereits leer stand. Ich suchte nach irgendwelchem Personal und entdeckte eine Art Gemeinschaftsraum, wo sich einige Camper trafen. Ich fragte einen Ami, wen man hier ansprechen müsste. Er erklärte mir, dass wir uns einen Platz suchen und morgen bezahlen können.
Es war sehr erfreulich, dass ich keine großen Probleme hatte, mich verständlich zu machen und den Ami zu verstehen.
Danach suchten wir einen Platz. Es war noch
genau einer (von etwa 50 insgesamt) frei. Welch ein Glück. Jetzt schlossen wir
erst mal Wasser und Strom an. Es klappte alles gut. Ich testete dann den
Fernseher erstmals aus (während der Fahrt ließen wir ihn aus). Ohne Kabel
bekamen wir aber nur 5 Programme rein. Wie in Deutschland, pfui. Wir waren damit
beschäftigt, die Koffer auszupacken und die Schränke zu füllen. Endlich gab es
auch wieder etwas zu essen. Meistens aßen wir im Wohnmobil, entweder Brot,
Cornflakes und Joghurt oder Pizza, Nudeln, Pommes usw.